Radon & Ionisierende Strahlung

Radon gilt als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Radon gilt als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

Radon 222 (Rn222) ist ein ganz natürliches radioaktives Edelgas, das überall auf der Erde vorkommt. Es ist geruchlos und transparent. Es kommt in Böden und Gesteinen sowie im Wasser und in der Luft vor. Als Bestandteil der natürlichen, radioaktiven Zerfallsreihe von Uran wird es ständig von seinem überall vorkommenden Mutternuklid Radium neu produziert. Radon-Gas selbst zerfällt unter Abgabe von ionisierender Strahlung zu weiteren feststofflichen Folgenukliden.

In Gebäuden ist die Konzentration häufig extrem höher als in der nicht umbauten Außenluft. Besonders betroffen sind meist energetisch sanierte Häuser, die in der Regel geringere Frischluftwechsel aufweisen.

Biologische Wirkung der ionisierenden Strahlungen durch Radon und Folgenuklide

Eingeatmetes Radon-Gas und Folgenuklide erzeugen ionisierende Alpha-Strahlung, die lokal in der Lunge die Zellstrukturen und Zell-DNA schädigen kann. In der Regel werden zerstörte Zellen ersetzt und zerstörte Zell-DNA repariert. Ist die Zell-DNA durch höhere Strahlungsdosen zu stark angegriffen, entstehen Strangbrüche. Es kann zu selbstvermehrenden Zell-Entartungen kommen. Dieser Prozess wird als Krebs bezeichnet. Radon ist statistisch gesehen (Quelle: BFS-Bundesamt für Strahlenschutz) die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Neuer gesetzmäßig einzuhaltender Richtwert ab 1.1.2019 in Deutschland

Zum Schutz der Bevölkerung hat die Europäische Union für alle Mitglied-Staaten die Einhaltung des Referenzwertes (EU-BSS 2013) von 300Bq/m³ festgelegt.  Zur Einhaltung dieses Referenzwertes verpflichtet sind alle öffentlichen Einrichtungen wie zum Beispiel Kitas, Schulen und Arbeitsplätze. In der aktuellen deutschen Strahlenschutz-Verordnung und weiteren DIN-ISO Normen sind die gesetzlichen Randbedingungen festgehalten.

Spezielle aktuelle Regelungen und Fristen sind weiter unten grob festgehalten.

Mehr über Radon

Radon-Gas wird mit der Atemluft in die Lunge ein- und wieder ausgeatmet. Die Folgenuklide von Radon verbleiben zum großen Teil dauerhaft in der Lunge und teilweise auf der Hautoberfläche, da sie nicht mehr gasförmig, sondern stofflich feste Eigenschaften haben. Radon ist sozusagen das einzige gasförmige „Transportmedium“ in der nuklearen Zerfallskette von Uran. Die Zellen in der Lunge können durch die Wirkung der ionisierenden Strahlung von Radon und dessen Folgenukliden geschädigt werden. Bei hohen Konzentrationen und langen Einwirkzeiten erhöht sich das Lungenkrebs-Risiko.

Systematische Messungen stellen fest, ob ein vorgegebener Richtwert überschritten wird. Bei Sanierungsbedarf werden gezielt und schrittweise entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration umgesetzt. Ziel ist es, ein ursachen-optimiertes Wohnumfeld für ein gesundes und besseres Leben zu schaffen.

Die normale Radonkonzentration in der nicht umbauten Außenluft zeigt in der Regel Werte zwischen 8 und 30 Bq/m³ . Becquerel (Bq) ist die Einheit der Aktivität einer radioaktiven Substanz. 100 Bq/m³ bedeuten einhundert radioaktive Zerfälle pro Sekunde in einem Luftvolumen von 1.000 Litern.

Wie wird die Radonkonzentration gemessen?

Zur Beurteilung von akzeptablen oder zu hohen Radonkonzentrationen in umbauten Räumen werden Normen-Konforme (DIN-ISO) Langzeitmessungen mit Messsonden und anschließender Laborauswertung durchgeführt. Messungen mit elektronischen und zeitaufgelösten Messgeräten erlauben eine gezielte Analyse der Radonquellen und der Ausbreitung im Gebäude.

Beide Verfahren können in Innenräumen und im Boden zur Bestimmung der Konzentrationen und Baugrundbeurteilungen herangezogen werden. Rechtlich relevante Messungen werden DIN-ISO Konform mit kalibrierten Messgeräten ausgeführt und erfüllen damit die Richtlinien des deutschen Gesetzgebers.

Wie ist eine Gefährdung in Wohn- und Arbeitsbereichen zu beurteilen?

In Spalten und Hohlräumen im Boden sind in der Regel extrem hohe Konzentrationen von Radon-Gas gegenwärtig. Je nach Ausführung eines Gebäudes können durch Dehnungsfugen, Versorgungs-Durchführungen, Risse und Baustoff-Porosität unterschiedliche Mengen von Radon-Gas aus dem Untergrund in das Gebäude eindringen. In der Regel sind in Kellern und erdberührten Bereichen höhere Radonkonzentrationen als in oberen Etagen zu verzeichnen, da sich das Gas durch Vermischung mit der Umgebungsluft verdünnt.

Bei ungünstigen Bedingungen können Werte in Innenräumen von vielen tausend Bq/m³ auftreten.

Bodenluft hat in der Regel Werte zwischen 1.000 Bq/m³ bis über 500.000 Bq/m³. Die Konzentrationen schwanken stark bezüglich der Geologie . Hier zeichnen sich zum Beispiel  große Bereiche von Niedersachsen und Brandenburg in den flachen Regionen durch Werte unter 20.000 Bq/m³ aus, während in Sachsen, Thüringen und Bayern häufig in den bergigen Regionen Werte mit bis über 300.000 Bq/m³ in der Bodenluft anzutreffen sind.

Auch Regionen mit aktuellem und historischem Untertagebau sind potentiell höher gefährdet, da die tief in die Erde getriebenen Schächte und die damit verbundenen Bergschäden Radon-Gas leicht nach oben aufsteigen lassen.

Ein niedriger Radonwert von zum Beispiel 5.000Bq/m³  in der Bodenluft ist nicht unbedingt ein Garant für geringe Innenraumbelastungen, weil sehr viele andere Faktoren eine gewaltige Rolle als Multiplikator spielen können.

Die Bodenbeschaffenheit ist auch bei der Emission  von Radon-Gas sehr wichtig. Der Gehalt, hauptsächlich von Radium in der Gesteinsart bestimmt die Größenordnung der Entstehung von Radon-Gas. Granit, Gneis, Bims und Lehm sind hier führende Kandidaten. Resultierend daraus natürlich auch entsprechende Baustoffe, die aus solchen Materialien gewonnen werden. Möglicherweise holt man sich so manchen Emittenten damit direkt ins Haus.

Gefahrenpotenzial bei energetischen Sanierungen und bei Neubauten nach Energieeinsparverordnung (EnEV)

Häuser mit geringer Luftwechselrate , zum Beispiel bei energetisch sanierten Gebäuden weisen in der Regel höhere Radonwerte in der Innenluft auf. Gerade bei Altbauten sind möglicherweise die Keller- und Grundplattenabdichtungen nicht mehr funktionsfähig oder erst gar nicht vorhanden und lassen Radon-Gas leicht ins Innere eindringen.

Spezielle gesetzliche Regelungen und Fristen

Alle Länder der Bundesrepublik Deutschland müssen bis 31.12.2020 ortsgerasterte Radon-Bodenluftkonzentrationen in die öffentliche Radon-Karte (Geoportal BFS-Bundesamt für Strahlenschutz) eintragen. Dort ist dann räumlich ersichtlich, wo Messungen in öffentlichen Bereichen und bei Arbeitsplätzen durchgeführt werden müssen.

Für die Durchführung dieser Messungen und wenn erforderlich, erfolgreiche Sanierung verbleiben maximal weitere 18 Monate. Falls der gesetzlich einzuhaltende Richtwert von 300Bq/m³ trotz Maßnahmen überschritten wird, ist eine Meldung bei der entsprechenden Behörde verpflichtend. Von dort aus werden weitere Schritte gesteuert.

(Diese Aussage ist mit Vorbehalt zu betrachten, da sich gesetzliche Regelungen ständig ändern können. Der Seitenbetreiber ist bemüht den Text aktuell zu halten)

Privat genutztes Eigentum

Private Wohnungen und Häuser unterliegen zum Stichtag 1.1.2019 noch nicht der Einhaltung des neuen Referenzwertes. Die Einhaltung dieses oder eines noch niedrigeren Wertes erfolgt rein nach gesundheitlich präventiver Einstellung des Nutzers.

(Diese Aussage ist mit Vorbehalt zu betrachten, da sich gesetzliche Regelungen ständig ändern können. Der Seitenbetreiber ist bemüht den Text aktuell zu halten)

Für private Nutzung vermietetes Eigentum

Wie beim privat genutzten Eigentum ist zum Stichtag 1.1.2019 der Vermieter nicht verpflichtet, den gesetzlichen Richtwert einzuhalten. Der Mieter hat zum Zeitpunkt dieses Stichtages noch keine Grundlage, dies zu verlangen. Möglicherweise  werden zukünftige Klagen und Gerichtsentscheide diese Grundlagen bieten.

(Diese Aussage ist mit Vorbehalt zu betrachten, da sich gesetzliche Regelungen ständig ändern können. Der Seitenbetreiber ist bemüht den Text aktuell zu halten)

Veräußerung von privat genutztem Eigentum

Wie beim privat genutzten Eigentum, ist zum Stichtag 1.1.2019 keine Verpflichtung zur Angabe eines Radonwertes in den Wohnbereichen festgelegt. Verkäufern und Maklern sei es freigestellt, zukünftig mit einem eigenen Radonzertifikat Verkaufsvorteile zu erreichen. Möglicherweise entwickelt sich der Immobilienmarkt aus eigenem Interesse in diese Richtung, oder Gerichtsentscheidungen können eine neue Basis geben.

(Diese Aussage ist mit Vorbehalt zu betrachten, da sich gesetzliche Regelungen ständig ändern können. Der Seitenbetreiber ist bemüht den Text aktuell zu halten)

Neubauten

Zum Stichtag 1.1.2019 gelten noch die bisherigen baurechtlich erforderlichen Maßnahmen für radonsicheres Bauen.

(Diese Aussage ist mit Vorbehalt zu betrachten, da sich gesetzliche Regelungen ändern können. Der Seitenbetreiber ist bemüht den Text aktuell zu halten)